Ein großer Teil der Welt redet über die «Male Loneliness Epidemic« – die Einsamkeit der Männer. Und viele schieben dafür Frauen und Feminismus die Schuld zu. Denn seit sich Frauen bewusst gegen Beziehungen mit Männern entscheiden (können), nehmen die Probleme des angeblich starken Geschlechts zu. Nicht zuletzt, weil sich die Herren der Schöpfung lange Zeit auf die Verantwortung der Partnerin verlassen haben und darauf, dass Frauen den Löwenanteil der unsichtbaren, mentalen Belastung durch ständige Planung, Organisation und Verantwortung für Alltag und Familie tragen. Damit ist gemeint, dass der Mann sein soziales Netz den Partnerinnen überlässt: Geburtstagseinladungen inkl. Geschenke organisieren, allgemeinen Kontakt pflegen usw. Das ist zwar bequem, doch was ist, wenn dieser Part wegfällt. Der Mann orientiert sich hauptsächlich über das berufliche Netzwerk, da ist man gefragt und wird eventuell sogar bewundert. Da können angeblich Freundschaften entstehen, die jedoch meistens nur die Arbeitswelt betreffen. Während des Berufslebens müssen viele Kontakte nicht bewusst gepflegt werden. Man sieht sich ja, weil man am gleichen Ort arbeitet, vom Wochenende erzählt, berufliche Herausforderungen diskutiert oder man geht gemeinsam Mittag essen.
Mit der Pensionierung oder Frührente fällt dieser gemeinsame Rhythmus weg.
Plötzlich steht der Mann alleine da, vom einen auf den anderen Tag. Man wurde ausrangiert, ist nicht mehr gefragt, einfach weg. Da wäre es hilfreich, hätte der Mann ein ausserbetriebliches Netzwerk aufgebaut. Ohne eine Partnerin, die diesen Löwenanteil über Jahrzehnte gepflegt hat, selbstverständlicherweise und weil Frau anders tickt, wird es jedoch schwierig. Ohne soziales Netz wird der Mann zum Einsiedler, Depressionen können zunehmen, vermehrter Alkoholkonsum ebenfalls, sogar Suizidgedanken keimen auf. Der Mann muss sich bewusst sein, dass nur er selber für sein soziales Netz verantwortlich ist und die Konsequenzen trägt, falls er dies nicht tut.
Es obliegt folglich dem Mann, sein soziales Netz aufrechtzuerhalten oder aufzubauen. Möglichkeiten dazu gibt es. Es ist nie zu spät

